Wozu Affen retten?

Goldkopflöwenäffchen sind in der „Roten Liste“ als „gefährdet“ eingestuft. Sie sind nur eine der über 300 gefährdeten Affenarten. (Bildquelle: Steve Wilson (CC BY 2.0))

 


Viele Primatenarten wird es bald nicht mehr geben, wenn wir Menschen so weiter machen wie bisher. Sofortiges Umdenken und Handeln ist gefragt, wenn wir sie noch retten wollen. Aber wozu eigentlich? 

„<Tierart> vom Aussterben bedroht“. Eine Schlagzeile die in letzter Zeit häufig zu lesen war. Erst waren es Giraffen, dann Geparden und jetzt auch Primaten. Um die 60 Prozent aller heute bekannten Affenarten sind vom Aussterben bedroht, wie eine neue Studie zeigt.

Und wir sind an ihrer miserablen Lage Schuld.

Ist es deshalb nicht unsere Verpflichtung sie zu retten? (Meiner Meinung nach ja – aber darum soll es in dem Artikel hier nicht gehen.)

Noch ist es nicht zu spät, sie zu retten. Aber die Zeit drängt.

Doch was haben wir davon, Affen zu schützen? Warum sich die Mühe machen?

Wir können noch viel von ihnen lernen.

Affen spielten eine entscheidende Rolle in der Forschung. Durch ihre Verwandtschaft zum Menschen sind sie wichtige Modellorganismen. Sie haben nicht nur unser Verständnis zahlreicher Krankheiten erweitert, sondern auch unser Wissen über unsere eigene evolutionäre Vergangenheit. Auch in Zukunft gibt es noch viel zu erforschen.

Wir brauchen sie.

Zunächst einmal sind sie für das Fortbestehen intakter Ökosysteme notwendig.

Manche Affenarten sind für die Bestäubung von Pflanzen zuständig. Ja, richtig gelesen: Bestäubung. In Madagaskar bringen Lemuren die Pollen von einer Blüte zur nächsten. In Asien tun das manche Lorisarten. Unklar ist, ob deren Rolle als Bestäuber von anderen Tieren übernommen werden kann. Falls nicht, heißt es wohl: Keine Bestäubung – keine Früchte.

Auch als Früchtefresser spielen zahlreiche Affenarten eine wichtige Rolle im Ökosystem. Die in den Früchten enthaltenen Samen verteilen sie über weite Strecken – durch ihre Ausscheidungen. So können sich Pflanzen verbreiten und neue Gebiete erschließen. Manche Pflanzenarten sind auf Affen als Vehikel für ihre Samen angewiesen. Ohne sie gibt es diese Pflanzen auch nicht. Affen sind auch die wichtigsten Verteiler der Samen hartholziger Pflanzen, die größere Mengen Kohlenstoff aufnehmen können.

Wenn Affen fehlen, hat das auch direkten Einfluss auf die Pflanzenmenge. So beispielsweise in Nord-Thailand: Wo Gibbon-Population schrumpften, sanken auch die Bestände einer bestimmten Baumart, welche auf die Samen-verteilenden Affen angewiesen ist. Im Amazonasbecken sank gleich die gesamte Biomassemenge (die Anzahl an Pflanzen), wo Menschen vermehrt Affen jagten.

Menschen profitieren sogar direkt von der Leistung der Affen. So werden in der Elfenbeinküste 48 Prozent der Pflanzen, die Affen als Transportmittel für ihre Samen brauchen, auch von Menschen genutzt. Affen „arbeiten“ auch als „Erntehelfer“: In einem Gebiet auf Indonesien helfen Makaken, indem sie Früchte essen, ihr Inneres aber fallen lassen – nämlich Cashew-Nüsse. Diese können die Landwirte dann bequem aufsammeln. Ökotourismus ist eine weitere Möglichkeit, wie die lokale Bevölkerung von Affen profitieren kann.

Doch auch die Menschen, die nicht in unmittelbarer Umgebung von Affen wohnen, profitieren von ihnen – selbst in Europa, wo es (bis auf Gibraltar) keine Affen mehr gibt. Denn Affenschutz ist auch Klimaschutz. Intakte Ökosysteme (in denen Affen eine wichtige Rolle spielen) bedeuten intakte Wälder. Die wiederum sind wichtige Kohlenstoffspeicher. Indem wir Affen schützen und ihren Lebensraum retten, tun wir auch etwas gegen den fortschreitenden Klimawandel. Und der bedroht die uns am besten bekannte Primatenart – den Menschen.