Von schmollenden Affen

(Bildquelle: Keith Kissel (CC BY 2.0))

Es gibt nicht viele Verhaltens-Experimente mit Affen, die so bekannt sind wie das, bei dem ein Affe eine unfaire Belohnung ablehnt (nett formuliert). Doch haben Affen wirklich ein Verständnis für Fairness?

Ich könnte das Experiment an dieser Stelle einfach beschreiben. Doch viel anschaulicher ist es, wenn man sich das Video dazu anschaut (zumindest ab 1:17):

Der Affe regt sich ganz klar darüber auf, dass er nur ein lausiges Stück Gurke für seine Leistung bekommt, während sein Nachbar eine leckere Traube erhält. Wie unfair!

Aber sieht das der Affe genauso? Fühlt er sich wirklich im Vergleich zu seinem Nachbar ungerecht behandelt? Jahrelang war das zumindest die dominierende Erklärung für das bockige Verhalten der Tiere.

Jan Engelman hatte Zweifel an dieser Erklärung. Der Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig dachte sich zusammen mit Kollegen ein ähnliches Experiment aus, das etwas komplizierter ist, mit dem man aber auch andere Erklärungsmöglichkeiten testen kann.

Alternative 1: Aber ich will Trauben! – Frustration.

So könnte man auch meinen, dass die Tiere ja sehen, dass Trauben im Spiel sind und diese dann auch haben wollen. Also nicht unbedingt, weil der andere Trauben bekommt. Sondern, weil Trauben auch zur Verfügung stehen. Aber das tun sie ja die ganze Zeit.

Alternative 2: Das hätte ich nicht von dir erwartet! – Enttäuschung.

Bei dieser Erklärung geht es um den Experimentator und den Affen (weniger um den Nachbar). Der Experimentator könnte dem Affen ja auch eine Traube geben. Macht er aber nicht. Das erwartet der Affe nicht von ihm und ist deshalb „enttäuscht“.

Um das zu testen, verglich Engelman’s Team die Reaktion von Schimpansen in vier verschiedenen Testsituationen. Entweder sie bekamen das Futter von einem Menschen oder einer Maschine. Und sie sahen entweder, wie in der Testbox neben ihnen ein anderer Schimpanse besseres Futter bekam oder niemand. Dann wurde das bessere Futter einfach dorthin gelegt.

Die vier Testkonditionen aus dem Experiment von Engelmann und seinem Team (mit freundlicher Genehmigung von Jan Engelmann et al 2017)

So extrem wie der Kapuzineraffe im Video, reagierte kaum ein Schimpanse. Die meisten weigerten sich einfach weiter mitzumachen und verzogen sich in stillem Protest in eine andere Ecke. Wenn ein Mensch das Futter verteilte, verschmähten sie es bei ungleicher Behandlung viel eher, als wenn eine Maschine das tat (26 % vs. 2%). Und kurioserweise auch eher, wenn kein (!) anderer Schimpanse am Test teilnahm.

Besonders das letzte Ergebnis wirft die Frage auf, ob sie wirklich ihre Belohnung mit der eines anderen Tieres vergleichen und sich deshalb unfair behandelt fühlen (bisherige Erklärung). Eher nicht. Müsste er sonst nicht noch häufiger oder zumindest gleich (und nicht weniger) oft protestieren, wenn ein anderes Tier die bessere Belohnung bekommt?

Ginge es nur um die Trauben (Alternative 1) müssten die Schimpansen in allen Testkonditionen ähnlich oft protestieren – schließlich konnten sie das bessere Futter ja immer sehen. Taten sie aber nicht.

Die Tatsache, dass sie bei einer ungerecht verteilenden Maschine kaum protestieren, zeigt, dass es den Affen wohl eher darum geht, was der Experimentator macht und weniger um die Tatsache, dass ein anderes Tier was Besseres zu essen bekommt. Sie sind sozusagen enttäuscht vom Experimentator, der ihnen was Besseres hätte geben können, es aber nicht tat.

Man könnte hier aber auch eine weitere Erklärung einwerfen:

Alternative 3: Man kann es ja mal versuchen… – Aussichtslosigkeit?

Vielleicht ist den Tieren auch bewusst, dass sie nicht beeinflussen können, was die Maschine macht? Der Experimentator hat aber vielleicht Mitleid, wenn er sieht, wie der Schimpanse beleidigt von dannen zieht und überlegt es sich möglicherweise nochmal. Wenn sie aber wirklich erwarten, das Verhalten des Experimentators ändern zu können, dann sollten sie laut den Autoren der Studie aber eher aktiven Protest zeigen, was nur in sehr wenigen Fällen der Fall war. Oder betteln, was sie auch nicht taten.

Egal was nun die Erklärung für das Verhalten der Tiere ist. Eins ist klar: Eine ungerechte Behandlung gefällt ihnen nicht. Und das ist der Grundstein auf dem ein Verständnis für Fair Play beruht, welches langfristige Kooperation möglich macht. Und darin sind wir Menschen weltklasse.